Leidiges Thema aller Eisenbahn-Modellbauer ist die authentische Farbgebung der Nachbildungen, insbesondere wenn deren Vorbilder aus früheren Epochen stammen. Normalerweise liegen von den Vorbildfahrzeugen Schwarzweißabbildungen vor, die einen Rückschluss auf die tatsächliche Farbgebung der Originalmaschinen nur schwer erlauben. In den Stücklisten der Herstellerwerke steht meistens lapidar: ...Farbgebung entsprechend den Vorgaben der Bahnverwaltung.

Wichtigste Primärquelle bei der Bestimmung der Farbgebung bad. Lokomotiven ist Richard von Helmholtz, der die zwischen 1840 und den 11890er Jahren gebauten Lokomotiven der in seinem Standardwerk “Die historischen Lokomotiven der Badischen Staats-Eisenbahnen” genau beschrieben hat. Ein zweites Werk, in dem die neueren bad. Lokomotiven beschrieben werden sollten, blieb leider ungeschrieben.

Helmholtz zu Folge wurde die Farbgebung der ersten badischen Lokomotiven weitgehend durch die Lieferfabriken festgelegt, wobei bei denen der Fa. Sharp der hellgrüne Farbton favorisiert wurde. Bis zum Ende der Breitspurepoche hat sich dann die Variante mit dunkelgrünem Aufbau und rotbraunen (caput mortum) Rahmen bzw. Räder gehalten. Zwischen 1855 und 1858 wurden die Beschneidungslinien von ursprünglich rot nach hellgelb geändert. Ende der achtziger Jahre erfolgte der Übergang zum badischen Regelanstrich schwarz mit rotbraunen Rädern. Zwischen 1880 und 1920 wurden aber auch zahlreiche Versuche mit unlackierten rostfreien Glanzblechen unternommen,  die sich letztlich nicht bewährten. Weitere Informationen zu Regelanstrich, Glanzbechverkleidung, Fotoanstrich und Zierlinien erhalten Sie über die nebenstehende Navigationsleiste. 

Einige Werksaufnahmen von nach 1909 gefertigten Maschinen zeigen eine im Vergleich zu den übrigen Baugruppen deutlich hellere Glanzblechverkleidung von Kessel, Zylinder und teilweise auch dem Führerhaus. Diese Partien dürften stahlblau gewesen sein. Angaben dazu findet man in der Stücklisten der Herstellerfirmen, so steht z.B. in der Beschreibung zur bad. Ig Reihe 1 :
 ... Der Kessel ist mit Blech verkleidet und zwar ist Glanzblech gewählt für den Langkessel und den außerhalb des Führerhauses befindlichen Teil des Stehkessels, soweit beide nicht durch die Wasserkasten verdeckt sind. Außerdem sind die Dampfzylinder mit Glanzblech verkleidet. Die Rauchkammer ist nicht verkleidet.

O.R.B. Baumann (Eisenbahngeneral-Direktion Karlsruhe) bemerkte hierzu:

“Die früheren badischen Staatsbahnen hätten sämtliche in den Jahren 1909-17 gelieferten Lokomotiven, insgesamt 189 Stück, mit Hochglanzblechverkleidung versehen lassen. Von 1917 ab seien derartige Bleche nicht mehr zu erhalten gewesen. Mit Hochglanzblech wären verkleidet worden:
Der Langkessel,
der außerhalb des Führerhauses liegende Teil des Stehkessels sowie
die Dampfzylinder und Schiebergehäuse.”

 In den Jahren 1909 bis einschl. 1916 wurden insges. 194 Lokomotiven abgeliefert, darunter 12 E-Loks. 1917 noch einmal weitere 46 St.

Die eventuellen Stahlblechverkleidungen älterer Maschinen (z.B. VIIa 5) waren wohl einheitlich schwarz.

Nachfolgende Farbtabelle (soweit möglich mit Angabe des RAL-Codes) soll einen Eindruck über die Farbgebung der einzelnen Baugruppen in der jeweiligen Epoche vermitteln. Bitte beachten Sie, daß die Farbwiedergabe geräte- und systemabhängig ist

Farbtabelle

 

Baugruppe

1844- 1859

1859- 1865

1865- 1890

1890-  1919

1909-  1917

Führerhaus

6002

6021

 

9005

 

 

Kessel

 

 

 

 

 

Rauchkammer

 

 

 

 

 

Schlot

 

 

 

 

 

Zylinder

 

 

 

 

 

Rahmen

8012

 

 

 

 

Räder

 

 

 

 

 

Einfassungen

 

 

 

 

 

Absetzlinien

3002

 

 

1023

 

 

Zierlinien

 

 

 

 

 

 

Für die  Farbangaben wurden u.a. die historischen Modelle des Verkehrsmuseums Karlsruhe (Eigentümer der Modelle ist die Universität Karlsruhe) sowie die Lok Phönix des Verkehrsmuseums Nürnberg herangezogen.

Blau lackierte Lokomotiven - so wie von Liliput ausgeführt - hat es in Baden nie gegeben! Grund für diese Annahme war eine colorierte Postkarte der Fa. Maffei, die eine blaue bad. IVh zeigt. Die Fa. Maffei war nach dem Krieg an einer weiteren Beschaffung der IVh durch die DRG interessiert und versuchte, mit einer attraktiven Werbebroschüre diese Maschine in blauer Farbgebung passend zu den Rheingoldwagen der DRG schmackhaft zu machen. (Analogie zur heutigen Zeit, Zitat Fa. Liliput:”..eine ganz schwarze Lokomotive lässt sich nur schwer verkaufen”).
Herr L. Spielhoff, unbestrittenen einer der besten Kenner auf dem Fachgebiet der badischen Eisenbahn, hatte bereits in den sechziger Jahren mehrere Lokführer vom BW Offenburggesprochen, die ihm bestätigten, dass ihnen keine blaue Ausführung einer IVh bekannt gewesen seien, alle waren schwarz mit roten Rädern. Ausserdem beruft er sich auf Unterlagen der Fa. Maffei (die mir jedoch nicht vorliegen), denen zufolge die Maschinen schwarz lackiert mit roten Rädern ausgeliefert wurden. In den Stücklisten zur IVh findet man weder Angaben zu Glanzblech noch zur Farbgebung.
Somit ist eine Glanzblechverkleidung der IVh mehr als unwahrscheinlich, auf der anderen Seite natürlich auch nicht prinzipiell unmöglich. Maffei erhielt bereits im November 1915 den Auftrag für die erste VIh Serie, Änderung während der Konstruktions- und Bauphase sowie (kriegsbedingte) Probleme bei der Materialbeschaffung verzögerten die Ablieferung bis 1918. Da lt. O.R.B Baumann Glanzbleche (erst) nach 1917 nicht mehr zu beschaffen waren, wäre dies nicht zwangsläufig ein Widerspruch.

Aufgrund vorliegender Aufnahmen waren nachfolgende Maschinen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in zweifarbiger Glanzblechausführung:

Gattung

Reihe

Betriebsnummern

Quelle/Bild

Ig

1 - 2

69, 71, 207, 212 und 214

gem. Stückliste

IId

2

750?, eventuell auch nur ganz schwarz

IVf

2 - 4

757, 764, 849, 850

IVf 764 IVf 764

IVg

1

828

IVg 828

VIc

1 - 6

900

VIc 900

VIIIe

2 - 8

815

IXb

2

739

 

Xb

2 - 4

 

 

G12

5

1047, 1052

G12 1052

Die IId Nr. 750 gehörte noch nicht in der Beschaffungszeitraum der mit Glanzblech verkleideten Lokomotiven, trotzdem könnte anhand der vorliegenden Aufnahme einer vermutlich fabrikneuen Maschine dies wegen der stark glänzenden Oberfläche vermutet werden.
Die zweite Beschaffungsserie der IXb von 1921 ist zeitlich deutlich nach der Glanzblechperiode einzuordnen, trotzdem lässt die vorliegende Aufnahme der 739 eine Glanzblechverkleidung vermuten.
Sinngemäss gilt dies auch für das Los der Maschinen der Gattung G12, die von BBC gefertigt worden sind. Eine zweifarbige Ausführung ist aufgrund mehrerer vorliegender Aufnahmen  unbestritten.

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